Wie Sie es schaffen, mit Ihrer Pressemitteilung garantiert nicht in den Medien zu landen
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Wie Sie es schaffen, mit Ihrer Pressemitteilung garantiert nicht in den Medien zu landen

Wieder eine Pressemitteilung, die auf null Resonanz gestoßen ist? Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann haben Sie vielleicht einen der folgenden zwölf Fehler gemacht:

1: Betreff: Aktuelle Pressemitteilung aus dem Hause XY…

Worum geht es? Ihre Pressemitteilung ist eine von sehr vielen, die in den Posteingängen der Redaktionen stündlich eintreffen – die Wahrscheinlichkeit, dass sie gelesen wird, sinkt mit zunehmender Desinformation in der Betreffzeile. Deshalb: Worum geht es? Warum ist das gerade jetzt interessant? Das ist die Headline Ihrer Pressemitteilung – und die gehört in den Betreff!

2: Versandadressen: Je mehr desto besser

Schön, wenn alle wissen, an welche 150 RedakteurInnen und Redaktionsadressen Sie Ihre Pressemitteilungen immer schicken. Professionell ist das aber nicht. Erstellen Sie Ihren Presseverteiler mit Bedacht und individuell für jeden Themenbereich, jeden Anlass. Der Society-Berichterstatter interessiert sich nicht für die Wirtschaftsmeldung, die Gesundheitsredakteurin nicht für den Spatenstich und die Bundesländerzeitung nicht für News, die mit dem Bundesland nichts zu tun haben. Wichtig: persönliche Kontakte – nicht nach dem Gießkannenprinzip arbeiten. Überarbeiten Sie Ihre Kontaktadressen regelmäßig: JournalistInnen wechseln den Betrieb, das Ressort, sind in Karenz. Und: Die Mailadressen bitte in BCC setzen.

3: Meine Perspektive interessiert alle

Medien haben ein Interesse an Geschichten, die auch für ihr Publikum interessant sind. Es gilt also: Was ist neu, interessant, für die Zielgruppe relevant? Das sprichwörtliche Fahrrad, das in China umfällt, interessiert uns hier in Oberösterreich eher nicht. Über den Radweg, der von meiner Gemeinde in die Nachbargemeinde geplant ist, möchte ich aber aus der Lokalzeitung erfahren. Über das neue erfolgreiche Startup aus meinem Bundesland vielleicht aus den regionalen Medien. Als Gesundheitsinteressierte suche ich in den Gesundheitsseiten nach neuen Infos zur Behandlung der Krankheit XY, wenn ich plane, mein Geld in Immobilien anzulegen, interessieren mich neue Entwicklungen am Immobilienmarkt… Was garantiert niemanden zum Weiterlesen bewegt sind Headlines wie „Neuigkeiten aus der Firma XY“

4: Schreiben, wie wir es in der Schule gelernt haben

Einleitung, Hauptteil, Schluss … bitte vergessen Sie’s! Für Pressemitteilungen gilt, was auch für Nachrichten gilt: Das Wichtigste, Interessanteste, Beste, Packendste kommt zuerst! Keine Journalistin, kein Journalist hat Zeit und Lust, sich durch langweilige Einleitungen zu quälen – und Sie als LeserIn doch auch nicht, oder?

5: Nur Zahlen und Fakten

Zahlen und Fakten sind wichtig. Eine gute Story auch. Die sollten Sie den Medien in Ihrer Pressemitteilung liefern – am besten inklusive Zutaten, die sie weiterverwenden können: Ein/e ProtagonistIn, Zitate, Emotionen, Spannung, dazu Fotos, informative ansprechende Grafiken, wenn möglich Audio- und Videomaterial …

6: Je komplizierter desto seröser

Möglichst viele Fachausdrücke, in lange Schachtelsätze verpackt, das Ganze womöglich passiv formuliert, sodass jeder weiß: Hier ist niemand verantwortlich und alles ist sehr kompliziert. So bitte nicht: Wir wollen doch, dass unsere Pressemitteilung gelesen wird. Und wer sie so aufbereitet, dass für JournalistInnen keine Fragen offenbleiben, hat große Chancen, dass sie auch übernommen wird.

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7: Zu wenig „Fleisch“

Ihr Betrieb hat zum fünften Mal in Folge dieselbe Auszeichnung für XY erhalten? Schön für Sie, vor allem, wenn dafür nur ein Antrag auf Verlängerung eingereicht werden musste. Interessant ist das allein aber noch nicht.

8: Je mehr Themen, desto besser

Stimmt nicht. Es geht nicht darum, alle Infos zu Ihrem Unternehmen, Ihrem Anliegen, in einer einzigen Pressemitteilung unterzubringen. Es gilt: Pro Presseaussendung ein Thema. Wenn es mehrere große Themen gibt, bitte mehrere Aussendungen machen (und falls nötig den Verteiler anpassen). Allgemeine Infos zum Unternehmen können Sie in einer kurzen Boiler Plate (Kurzinfo zum Unternehmen) unterbringen, für weitere Infos auf die Website verweisen.

9: Fotos? Nicht so wichtig…

Oh doch: Je besser das Foto, desto höher die Chance, mit der Geschichte in den Medien zu landen! Schlecht belichtete Gesichter im Gegenlicht vor schiefem Horizont wird kein Medium drucken, kein Online Medium verwenden. Das Profi-Produktfoto mit Logo, freigestellt und toll bearbeitet ist auch nicht das, was Medien wollen, es sei denn, es handelt sich um bezahlte Werbung.

Auch große Personengruppen, adrett ins Foto lächelnd, machen sich in Medien nicht so gut.  Besser: Diejenigen, um die es geht (die auch in der Presseinfo zitiert sind) in Aktion.

Wichtig: Printmedien brauchen druckfähige Fotos (300 dpi), alle Medien brauchen einen Verweis auf den Urheber (Fotografen). Das ist NICHT der Auftraggeber, die Auftraggeberin, denn kaufen können Sie nur die Nutzungsrechte, das Urheberrecht bleibt immer beim Urheber, der Urheberin.

Wenn Sie Fotos mit Ihrer Presseaussendung per Mail verschicken, bitte darauf achten, dass die Dateien nicht zu groß sind (mehrere druckfähige Fotos am besten im Medienbereich auf der Website bereitstellen und verlinken – in der Mail nur ein Vorschaubild mitschicken). Die Fotos so benennen, dass man weiß, wer oder was darauf abgebildet ist und wer das Urheberrecht innehat. Also nicht: 12345.jpg, sondern Meyer_Mueller_Huber©FotografXY.jpg.

10: Zehn Megabyte und mehr verschicken

Bitte keine großen Anhänge in der Mail. Viele Mailsysteme haben eine Beschränkung und weisen solche Mails zurück. Wenn sie doch durchkommen, sind die EmpfängerInnen verärgert, weil das System überlastet wird. Im Zweifel: Kurze Info, Vorschaubild mit Link auf weitere Infos, Fotos, Videos.

11: Rückfragen – bitte per Kontaktformular an den Ferialpraktikanten

JournalistInnen brauchen Infos sofort und von kompetenter Stelle. Eine Ansprechperson für Rückfragen sollte deshalb rasch und gut via Mobiltelefon erreichbar sein und kompetent Auskunft geben können bzw. in engem Kontakt mit der Geschäftsführung bzw. der/dem zuständigen ExpertIn stehen und sicherstellen, dass diese auf für JournalistInnen gut zugänglich ist.

12: Online? Haben wir nicht …

Wer nicht online ist, existiert nicht. Eine moderne, professionelle und informative Website ist das Herzstück jeder Unternehmenskommunikation. Um gefunden zu werden, aber auch, um Informationen aktiv bereitzustellen. Presseinfos gehören in den Bereich „Aktuelles“ auf die Website (natürlich auch hier mit guten Fotos). Und selbstverständlich nutzen wir sie – passend aufbereitet – für  andere eigene Online-Kanäle: Den Twitter/LinkedIn/Facebook/Xing Auftritt …

A propos online: Sie erleichtern Ihre Arbeit und die Arbeit der MedienvertreterInnen sehr, wenn Sie einen „Servicebereich“ für Medien auf der Website einrichten: Dort sollte ein direkter Kontakt (Mobiltelefon & persönliche Mailadresse!) zur Ansprechperson für Medien leicht zu finden sein, dazu Basismaterial (Zahlen, Fakten, druckfähige Fotos der Geschäftsführung, des Vorstandes, des / der MediensprecherIn, des Firmengebäudes, …) und natürlich alle Pressemitteilungen chronologisch (die aktuellste oben) zum Download bereitstehen.

„Wie bringe ich meine Story in die Medien?“ – das erfahren Sie im Workshop am 8. Juni in Linz! Mehr Infos:

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